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Linux Foundation Collaboration Summit
Montag, den 19. April 2010 10:09
 

VON: LUDGER SCHMITZ

 

Fortschritte bei Handys motivieren andernorts

In San Francisco fand in der letzten Woche der Collaboration Summit der Linux Foundation statt. Da diesjährige Treffen war die vierte Veranstaltung, bei der ausschließlich geladene Gäste ein Resümee der jüngeren Open-Source-Entwicklungen ziehen und über vorrangige Themen für die nächste Zeit beraten.


Im letzten Jahr hatte Jim Zemlin, Chef der Linux Foundation, noch bei etlichen Teilnehmern für Erstaunen gesorgt, als er die Wette anbot, Linux werde im Bereich Consumer Electronics und insbesondere in der mobilen Kommunikation das vorherrschende Betriebssystem. Bei seiner diesjährigen Eröffnungsansprache konnte er eine Zwischenbilanz ziehen, die seine Prognose zu bestätigen scheint. Von TV- und Videosystemen bis hin zu E-Book-Readern, beispielsweise Amazons Kindle, ist Linux das vorherrschende System.


Der Aufstieg von Linux zeichnet sich auch bei den Handys deutlich ab. Nokia hat Symbian Open Source gestellt. Das ist marktbeherrschend, verliert aber wie Microsoft gegen Apple an Bedeutung, besonders im Segment der Smartphones. Um so wichtiger war es, dass Nokia und Intel im Februar dieses Jahres auf dem Mobile World Congress in Barcelona angekündigt haben, ihre Linux-basierenden Systeme Maemo und Moblin zu MeeGo zu vereinen. Das Projekt übergaben die beiden Firmen in die Leitung der Linux Foundation.


Das könnte den Mobile-Markt in kürzester Zeit völlig neu gestalten (eine gründlichere Analyse hier). Nach Ansicht von Zemlin wird dabei, wie es auch in anderen Linux-Märkten zu beobachten ist, eine Verschiebung von Paradigmen der Open-Source-Welt zur Wirkung kommen: Nicht der Preisvorteil von Linux spielt die entscheidende Rolle für dessen Verbreitung. Vielmehr bekräftigte er für die Linux Foundation, nicht nur das Betriebssystem werde offen sein, sondern auch die Gerätehersteller und Mobilfunk-Carrier würden keinen Einschränkungen bei der Software-Ausstattung ihrer Produkte beziehungsweise bei der Wahl ihrer Services unterliegen. Das ist für beide attraktiver, weil es ihnen völlige Freiheit lässt, ihre Produkte zu gestalten und am Markt auszurichten – sowie etwas ganz anderes als in der Microsoft- oder Apple-Welt.


Am Ende könnte das, wie auf dem Collaboration Summit zur Sprache kam, zu einer kuriosen Situation führen: Die Benutzer haben Smartphones in der Hand, deren Innerstes offen ist, deren Leistungen und Nutzung aber fest umrissen, „closed“, sind. Es ist immerhin denkbar, dass die Carrier ihre Services künftig in ganz anderen, offeneren Vertragsformen anbieten könnten. Aber das nicht momentan nicht der eigentliche Knackpunkt.


Wichtiger ist vielmehr, dass die Linux Foundation mit ihrer konsequenten Open-Source-Strategie für MeeGo offenbar großen Erfolg hat. Zum Collaboration Summit konnte sie verkünden, dass schon 27 Firmen am MeeGo-Projekt mitarbeiten. Darunter sind die Hardware-Hersteller Acer, Asus und ST-Ericsson, die Embedded-Spezialisten DeviceVM, Montavista und Wind River sowie die Linux-Distributoren Asianux, Linpus, Mandriva, Novell, Red Flag, TurboLinux und Xandros. Auch BMW ist dabei; der Autobauer will mit MeeGo Car-Infotainment-Systeme entwickeln.


Gleichwohl wies Zemlin auf ein altes Defizit der Open-Source-Entwicklung hin. Technisch seien zahlreiche ihrer Produkte auf Augenhöhe zum kommerziellen Wettbewerb, aber ihnen fehle die „Magie“, die Apple-Hardware vom Design und Apple-Software von der Benutzerfreundlichkeit ausstrahlen. In dieser Sache sei er, so Zemlin, zahllose Flugstunden um den Globus gereist, um Hard- und Softwarehersteller zu einer stärkeren Kooperation zu bewegen. Die „Magie-Lücke“ zu schließen werde in der nächsten Zeit eins der wichtigsten Arbeitsfelder der Linux Foundation sein.


Als ein weiteres wichtiges Zukunftsthema für Open-Source-Engagierte kristallisierte sich auf dem Collaboration Summit Cloud Computing heraus. Hier stand eine Diskussionsrunde unter der Frage „Bedeutet Open Source auch Open Cloud?“ Sie zeigte, dass das Thema gerade erst hochkocht.


Längst ist die Kritik am Vendor-Lock-in durch die proprietär bestimmten Cloud-Angebote allgemein verbreitet. Gleichzeitig werden Linux und Open-Source-Anwendungen in solchen Wolkenumgebungen angeboten. Also öffnet Open Source nicht per se eine Cloud. Schon gar nicht ist eine offene Alternative Realität. Das ganze noch spürbare Unbehagen der Community beim Cloud-Thema zeigte sich in einer Frage: Kann in einem Cloud-Konzept überhaupt – und wenn ja, wie – von den Anwendern etwas in Form von Code an Open-Source-Anwendungsprojekte zurückfließen?


In San Francisco fand sich keine Antwort. Aber das ist auch nicht der Anspruch eines Collaboration Summit. Vielmehr hat die ausführliche Debatte um Cloud Computing gezeigt, dass die Open-Source-Community sich einem neuen Thema zuwendet. In Deutschland gibt es bereits eine in der LiSoG gestartete Initiative für eine Open-Source-basierende Cloud. Vielleicht wird daraus ein reales Angebot, über das sich auf dem nächsten Collaboration Summit referieren ließe.


*Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in München.

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