| Der CeBIT-Auftakt war verhalten wie immer. Das war etwas enttäuschend für die Aussteller im Open-Source-Areal der Halle 2. Im letzten Jahr war es in der Halle 6 quirliger zugegangen. Dort waren die Gänge enger, jetzt fehlte das gefühlte Gewusel. Doch an den folgenden drei Messetagen erlebten die Open-Source-Anbieter einen Besucherandrang, der ihr Standpersonal bis zur Erschöpfung forderte. Erst der abschließende Messe-Samstag brachte wieder etwas Ruhe.
Fast alle Open-Source-Aussteller waren nicht nur zufrieden mit der Zahl der Leads. Vielmehr hoben sie auch die Qualität der Kontakte hervor. Sie machen sich nun durchaus berechtigte Hoffnungen auf noch einmal bessere Geschäfte im laufenden Jahr.
Es gab allerdings von Ausstellern unter dem Gemeinschaftsdach open source Berlin auch Kritik daran, dass die Messegesellschaft mitten im Open-Source-Areal einige Hardwarefirmen platziert hatte. Allerdings war dieser Stand alles andere als aufmerksamkeitshaschend gestaltet und hob die verschiedenen beteiligten Firmen nicht wirksam hervor. Eine Lehre ließ sich aber auch da mitnehmen: Beiträge eigener Mitarbeiter auf dem benachbarten Open Source Forum zogen anschließend interessiertes Fachpublikum an die Demo-Points.
Open Source hat sich offenbar neben den Branchengrößen als ein weiterer Publikumsmagnet der CeBIT etabliert. Das Interesse der Besucher hat sich allerdings in Folge der Wirtschaftskrise verschoben. Großprojekte stehen nicht an, prompt ist das Interesse an Consulting gesunken. Vielmehr suchen die Anwender nach Lösungen, um konkrete, unaufschiebbare Probleme kostengünstig zu lösen.
Die Berührungsängste gegenüber Open Source sind weitgehend verschwunden. Der Hype allerdings auch. Es zählen nur die Qualität und die Kosten einer Lösung über ihre Verwendungszeit – egal ob sie quelloffen ist oder nicht. Groupware ist dabei momentan ein besonders heißes Thema, wie sich am Gedrängel vor den Demo-Points der entsprechenden Aussteller ablesen ließ. Virtualisierung ist im Zuge der Debatte um Cloud Computing unverändert im Gespräch. Jetzt geht es verstärkt um Desktop-Virtualisierung.
Ein neues Feld zunehmender Open-Source-Anwendung zeichnet sich ab: Nachdem Nagios und Co. sich in der IT-Administration eine starke Position erobert haben, folgt jetzt der nächste Schritt: IT-Service-Management mit Open Source. Noch fehlt es hier an manchen quelloffenen Tools, um Geschäftsprozesse zu unterstützen und flexibel zu gestalten. Aber die bisherige Distanz zum proprietären Angebot wird geringer. Und die Anwender zeigen großes Interesse an preiswerteren Open-Source-Lösungen.
Von Ludger Schmitz, freiberuflicher Journalist in München. |