| Große IT-Anbieter gehen sehr zögerlich an Open Source heran und tun sich häufig schwer, eine aktive Rolle in Community-Projekten einzunehmen. SAP ist ein klassisches Beispiel, das Matthew Aslett in einem interessanten Blog des Marktforschungsunternehmens The 451 Group beschrieben hat.
Dass SAP zur CeBIT 1999 Linux zu einer Serverbasis seiner Business-Applikationen erhob, hat dem Open-Source-Betriebssystem quasi den Ritterschlag erteilt und zu schnellerer Verbreitung verholfen. Ansonsten aber herrschte jahrelang ziemlich Stille zum Thema SAP und Open Source. Nur ab und an sickerten aus Walldorf Zahlen durch, die belegten, dass die Anwender Linux schnell akzeptierten. Jetzt hatte Matthew Aslett ein Gespräch mit Claus von Riegen, SAP-Direktor für Technologiestandards und Open Source, sowie mit Erwin Tenhumberg, Open-Source-Programm-Manager bei SAP, über die Hintergründe.
Die bisherige Zurückhaltung der Walldorfer verwundert nicht, denn zwischen 2002 und 2007 war Shai Agassi bei SAP Vorstandsmitglied und Chef der Abteilung Product & Technology. Und der hatte die Ansicht, Open Source sei kein innovatives Entwicklungsmodell. Hinter den Kulissen fand gleichwohl eine vorsichtige Annäherung an Open Source statt. So war SAP 2004 Gründungsmitglied der Eclipse Foundation. Das Motiv bestand darin, den hausinternen Entwicklungsaufwand zu reduzieren. Zunächst allerdings nur dort, wo es nicht um Software ging, die ein Produkt vom Wettbewerb abhoben.
Sehr zögerlich entwickelte SAP Verfahren, Open-Source-Software für die eigenen Entwicklungsarbeiten zu nutzen. Bis 2006 musste der Vorstand jeden einzelnen Fall genehmigen. Das war unpraktikabel, und die Entscheidung wurde den Chefs der Unternehmensabteilungen übertragen.
2007 änderte SAP seine Politik, nur Open-Source-Software zu adaptieren, und begann, Code zum Eclipse-Projekt beizutragen. Aber erst Ende des folgenden Jahres fiel auch ein formaler Beschluss des Vorstands in dieser Richtung. Waren es 2008 nur drei Eclipse-Projekte, zu denen SAP beitrug (Web Tools Platform, Data Tools Platform und Memory Analyzer), so sind es heute 25. Mit 1,8 Millionen Programmierzeilen war SAP 2009 der drittwichtigste Codelieferant aus Firmenkreisen bei Eclipse.
Seit Oktober letzten Jahres ist das Unternehmen auch jenseits der Eclipse Foundation in Open-Source-Projekten aktiv. Damals wurde es Mitglied in verschiedenen Projekten der Apache Software Foundation. Darüber hinaus arbeitet SAP bei Ruby on Rails und JRuby mit, deren Technologien durch den Kauf von Business Objects schon 2007 ins Haus kamen. Riegen und Tenhumberg haben Aslett berichtet, inzwischen sei es bei SAP üblich, dass gleichzeitig die Nutzung von Open-Source-Software und der aktive Beitrag zu Community-Projekten beantragt werde.
*Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in München. |